Heuschrecken-Plage Politik
16. Dezember 2011 von Karl-Heinz Haas
Heuschrecken-Plage Politik
Geschichten aus der Giftküche der Voodoo-Ökonomie der Politiker-Heuschrecken.
Der Tiroler Landtag beschloss 230 Millionen Euro Sonderdividende der TIWAG, die zur Verlustabdeckung und Aufstockung des Kernkapitals an die Landes-Hypothekenbank Tirol Anteilsverwaltung fließen sollen. 230 Millionen entsprechen im Vergleich mit den Zahlen aus dem Geschäftsbericht der TIWAG 2010:
- dem 3-fachen des Grundkapitals (72,67 Mio)
- 11,6 Prozent der Bilanzsumme (1.981 Mio)
- dem EGT (95,6 Mio – Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) von 2,4 Jahren
- dem 3,3-fachen des Guthabens bei Kreditinstituten (69,8 Mio)
- dem 2,9-fachen des Jahresüberschusses (80,16 Mio)
Die 230 Millionen sollen über die Auflösung von Gewinnrücklagen und Kredite [sic!] finanziert werden und als Superdividende in einem Stück überwiesen werden. Dafür verzichtet das Land Tirol sieben Jahre lang auf die Dividende. Zur Voodoo-Ökonomie kommt jetzt noch die Dividenden-Lüge.
In den letzten sieben Jahren stieg die Dividende der TIWAG von 3,7 Mio (2004) auf 28,0 Mio (2010) an. Im Durchschnitt betrug die Dividende in den letzten sieben Jahren 17 Mio Euro. Damit braucht es mit Zinsen 15 Jahre Vorgriff auf die Dividenden, um die 230 Mio zu finanzieren – und nicht 7 Jahre.
15 lange Jahre, in denen das Tiroler Budget ohne Geld der TIWAG auskommen muss.
Ohne Prüfung des Sachverhalts, ohne Feststellung des wahren Schadens und ohne Konzept haben die Abgeordneten von ÖVP, SPÖ (einer hat sich gedrückt), FPÖ und GRÜNEN die Rücklagen der TIWAG (die selbst im Cross-Border-Leasing Sumpf steckt) in eine Bank verschoben, deren Vorstände selbst sagen, dass der festgestellte Verlust auf einer Hochrechnung von einem Sechstel der Kredite beruht.
Ich habe keine Informationen, ich kenne mich nicht aus, mir hat niemand etwas gesagt. So lauten die Entschuldigungen der Volksvertreter. Die Entscheidung wäre alternativlos (Unwort des Jahres 2010), was soviel heißt wie: ich bin zu dumm, zu faul und zu feige auf Grundlage des Nachdenkens über verschiedene Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen.
Dabei ist der Betrug der Banken an den Bürgern über Scheinverluste aus Immobiliengeschäfte längst bekannt.
Eine Inlandsbank gründet eine Auslandsbank. Diese vergibt Immobilienkredite ohne Ende. Die Kredite, deren Werthaltigkeit sich schwer abschätzen lässt, werden dann plötzlich als „notleidend“ eingestuft und auf 20 Prozent abgeschrieben. Die Kredite werden tranchiert und neu verpackt um einen geringen Preis an zuvor selbst gegründete Zweckgemeinschaften in Steueroasen (HYPO Tirol Swiss AG wurde vor zwei Monaten liquidiert) verkauft. Dort entstehen steuerfrei enorme Gewinne (60 Prozent) aus der Differenz zwischen dem geringen Verkaufspreis und dem wahren Marktwert der Immobilien. Durch die Gruppenbesteuerung (Schüssel/Grasser sei Dank) können die Scheinverluste der bösen Auslandsbank nun mit den Gewinnen der braven Inlandsbank gegenverrechnet werden und reduzieren damit die Steuerlast im Inland. Diese Konstruktion funktioniert so gut, dass die Banken in ihrer grenzenlosen Gier sogar überhöhte Verluste angeben, um sich dann durch Politiker „alternativlos“ mit Steuergeldern retten zu lassen.
Wer auf das Geld in den Zweckgemeinschaften Zugriff hat, überlasse ich Ihrer Phantasie.
